Eine Reise nach Farnetella

Timo Penttilä ist in der Toscana! Als Student der Meisterklasse Penttilä hat man natürlich gewusst, das der Meister in der Toscana ein Haus hat. Einige wenige, vor allem ältere Studenten waren sogar schon dort auf Besuch. Für jüngere war das kaum vorstellbar. Zu groß erschien die Distanz zwischen Student und Meister.

Timo Penttiläs Persönlichkeit war geheimnisvoll. Die architektonischen Arbeiten waren beeindruckend, trotzdem redete er sehr wenig darüber und überhaupt. Man konnte als Student sehr vieles nur erahnen oder deuten. Nur sehr wenige konnten eine tiefere Beziehungen aufbauen.

Ich nicht. Das änderte sich erst nach seinem Tod. Ein Grund dafür ist die Gründung der Timo Penttilä Society mit der Absicht sein architektonisches - sein theoretisches -, und sein lehrendes Werk zugänglich zu machen. Ein anderer Grund war eine Reise nach Farnatella.

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Das ist Farnetella im Nebel. Dort steht hoch oben am Hügel über dem Dorf das ehemalige Haus von Timo Penttilä. Wir suchten mit dem Auto ohne die Adresse zu kennen. Dennoch war es einfach, das Haus zu erahnen.

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Ein Nachbar kann sich an den „Professore“ erinnern und kennt noch dazu den Innenarchitekt der in Firenze lebt und das Haus betreut. Zufällig war dieser gerade auf dem Weg nach Farnetella. Er ist fast jedes Wochenende da und hat sich sogar im ehemaligen, erdgeschoßigen Stall eine kleine Wohnung eingerichtet.

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Wir warten auf den „Architetto“ vor dem nicht versperrten Einfahrtstor. Er reagiert bei der Ankunft sehr freundlich, und nimmt uns mit ins Haus. Mittlerweile gehört das Haus einer russischen Oligarchenfamilie. Der Innenarchitekt veränderte und dekorierte an allen Ecken und Enden. Die Fenster sind verspiegelt, ein Tennisplatz und ein Schwimmbecken sind dazugekommen. Dennoch, gibt es Reste der Ursprünglichkeit des Gebäudes.

Besonders überrascht hat uns das Innere des Hauses. In den alten Regalen war die gesamte Bibliothek Penttiläs unberührt erhalten. So, als ob er Gestern noch damit gearbeitet hätte. Die Bücher dienen wohl der Dekoration, für uns waren sie in diesem Moment ein riesiger Schatz. Gefühlt verstzte uns der reine Anblick seiner Bücher in ein plötzliches Naheverhältnis zu Timo - viel Näher als während der gesamten Studienzeit.

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Besonders viele Architekturbücher thematisieren Architektur aus dem Nahen Osten.

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Eine “dekorative” Regalwand aus dem Schlafzimmer der russischen Familie.

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Timo Penttilä war ein äußerst gründlicher Arbeiter und Forscher, wie diese zufällig aufgeschlagene Seite eines Buches (The Great Chain of Beeing, Arthur O. Lovejoy) aus der Reihe der philosphischen Bücher - gemischt mit Wörterbüchern in Finnisch, Deutsch, Englisch, Italienisch und Griechisch beweist.

Peter Thalbauer - Dezember 2014